Die schrittweise Elektrifizierung unseres Haushalts
07.04.2026… ist unausweichlich. Wir freuen uns jedes mal, wenn es in dieser Hinsicht etwas neues gibt, das uns unabhängiger, ökologischer, oder sparsamer macht. Aber ist das wirklich alles der Fall oder macht man sich da falsche Hoffnungen? Schauen wir uns das doch einmal im Hinblick auf unser letztes Investment an: eine Brauchwasserwärmepumpe.
Verbrauch
Unsere Warmwasserwärmepumpe im Keller läuft seit fast einem Monat und hat seitdem knapp über 36 kWh verbraucht. Die Wärmepumpe hat einen integrierten Verbrauchsmesser, dessen Werte sich mit dem extern von mir verbauten Shelly PM Mini so ziemlich decken. Die Messung würde ich also aufgrund von zwei unabhängigen Messgeräten als zuverlässig bezeichnen. Das war jetzt der Monat März, also ein klassischer Übergangsmonat der weder besonders warm noch kalt ist. Im Winter wird der Verbrauch vielleicht etwas steigen und im Sommer etwas fallen, aber im Grunde bietet der März einen guten Richtwert. Etwas aufgerundet sind das im Jahr 480 kWh Stromverbrauch für unser Brauchwasser. Bei der beworbenen Leistungszahl von ca. 4 mit unserer Kellertemperatur von 15-16 Grad ergibt das eingespartes Gas in Höhe von mindestens 1920 kWh pro Jahr.
Vermutlich ist es aber noch mehr, da die neue Dämmung des Wasserspeichers erheblich besser als die des alten ist. Wie hoch genau die Bereitstellungsverluste vorher waren und nachher sind, lässt sich jetzt aber nicht mehr bestimmen. Definitiv sind sie aber jetzt pro Liter warmgehaltenem Wasser niedriger als zuvor, da sich zum einen auch Dämmungen weiter entwickelt haben bzw. einfach dicker ausgeführt werden und zum anderen der Speicher ein wenig größer ist (120 vs. 200 Liter).
Außerdem haben wir zwar einen hocheffizienten Verbrenner im Keller, nämlich eine fast zwei Jahrzehnte alte Gastherme mit Brennwerttechnik, aber auch hier fallen Verluste an, da der Wirkungsgrad nicht 100% erreicht. Wir können also davon ausgehen, dass auch einiges an Wärme aus der Gasverbrennung durch den Schornstein bzw. im Heizungskeller flöten ging. Da es sich um Größenordnungen im niedrigen einstelligen Bereich handelt, vernachlässige ich diesen Punkt in der heutigen Rechnung aber geflissentlich.
Ökonomie
Unser Gastarif ist noch ein Jahr lang sehr (!) günstig und so kommen wir im Vergleich zu unserem jetzigen Strompreis etwa mit +/- 0 € Betriebskosten raus. Jede kWh die wir günstiger beziehen, z.B. durch eigene PV und einen dynamischen Stromtarif, verbessert die Rechnung für unseren Warmwasserverbrauch.
Status Quo ist es aber so, dass wir nur eine Steckersolaranlage haben und damit maximal 800 Watt Leistung in unser Hausnetz kommen. Die nutzen wir aber auch wirklich komplett aus, da wir eine Hausbatterie haben, die jederzeit genug freie Kapazität hat, um etwaige Solarüberschüsse einzuspeichern. Auch an wolkigen Tagen erzeugt diese miniaturisierte PV-Anlage rund eine kWh und an sonnigen Tagen auch mal bis zu fünf. Unsere BWWP läuft also mehr oder minder das ganze Jahr autark und kostenlos. Ja, die Steckersolaranlage hat sich bereits innerhalb des Zeitraums von knapp über einem Jahr bezahlt gemacht und ist für mich vollkommen amortisiert. Der erzeugte Strom ist also ab jetzt gratis. Und ja, die Batterie hat eine beschränkte Lebensdauer und brachte Kosten für Anschaffung und Installation mit sich. Und ja, die Wandlungsverluste beim ein- und ausspeichern sind mir auch bewusst. Aber selbst wenn ich das alles kalkulatorisch zusammenrechne kostet eine kWh nur einen Bruchteil dessen, was sie bei Netzbezug kosten würde. Auch hier werden diese Datenpunkte wieder geflissentlich vernachlässigt, denn sie sind für die Gesamtrechnung äußerst unerheblich. Nur im dunkelsten Winter ohne Sonnentage zwischendurch müssen wir ein wenig Strom zukaufen. Das ist alles voll OK.
Sobald wir ab nächstem Jahr unausweichlich einen höheren Gaspreis zu zahlen haben, wird sich die Rechnung nochmal erheblich verändern. Selbstverständlich zu Gunsten der Elektrifizierung. Eine jährliche Ersparnis im dreistelligen Bereich ist dann vorprogrammiert, genaueres weiß ich aber natürlich jetzt noch nicht. Insbesondere vor dem Hintergrund des amerikanisch-israelischen Angriffskriegs auf den Iran und den damit verbundenen Verwerfungen im Bereich der Öl- und Gaslieferketten traue ich mir momentan keine Prognose zu. Eine Verteuerung unseres Gastarifs könnte zwischen 50 und 200 % ausfallen. Da lässt es sich gerade nur schwerlich sinnvoll in die Zukunft rechnen.
Ökologie
Aus ökologischer Sicht ist das alles auf jeden Fall um ein vielfaches besser als zuvor. Jede kWh Gas entspricht 201 g CO2 Emission LFU Brandenburg: Emissionsfaktoren 2024 und jede kWh im deutschen Strommix lag 2024 bei 331 g CO2 Emission, wobei dieser Wert die letzten Jahre kontinuierlich gefallen ist. Umweltbundesamt: CO2 Emissionen pro Kilowattstunde Strom 2024 Bei 480 kWh Strom à 331 g/kWh ergibt das jährliche Emissionen von etwa 159 kg CO2 für unsere Warmwassergewinnung mit BWWP. Die gleiche Wämemenge mit Erdgas zu gewinnen hätte etwa 386 kg CO2 emittiert. Wir ersparen der Umwelt also mindestens 227 kg CO2 durch unsere Kaufentscheidung. Legen wir spaßeshalber die heutzutage vermutlich nicht mehr ganz richtigen (weil zu niedrigen) Kosten von 180€ pro Tonne CO2 an, entspricht das einer Umweltersparnis von rund 40,86 €. Pro Jahr.
Freilich ist es fragwürdig das so auszurechnen. Die Welt nicht zu verbrennen ist ein Wert an sich, der sich wohl kaum in Zahlen fassen lässt. Die Idee, unsere Welt zu bewahren und auch vermiedene Umweltkosten, die wir zur Zeit nicht bei den fossilen Energieträgern eingepreist haben, mit den entstandenen Kosten für den Umbau auf Erneuerbare zu verrechnen, ist aber nichtsdestotrotz verlockend. Wir können so mit der Sprache der Wirtschaft illustrieren, dass es andere Werte gibt als nur das schnöde Geld allein - und das finde ich seit je her äußerst charmant.
Die ökologische Rechnung verbessert sich in unserem Fall aber nochmal, da ich über unser Heimenergiemanagementsystem (HEMS) unsere Hausbatterie fast ausschließlich in Niedrigpreisphasen belade, welche stark mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien im Netz korrelieren. Vergleiche z.B. Stromampel.info: Hintergrund oder Agora Energiewende: Erneuerbare Energien senken Strompreise unabhängig von der Nachfrage. Eine genaue Bezifferung des eingesparten CO2 ist mir nicht ohne weiteres möglich, aber es ist sicher nicht weit her geholt, wenn ich von einem Emissionswert weit unterhalb der 201 g/kWh ausgehe, den das Verbrennen von Erdgas verursacht. Vor dem Hintergrund eines optimierten Ökostrombezugs und der Nutzung der eigenen PV-Leistung nehme ich mal willkürlich einen Durchschnitt von 50 g/kWh an. Damit sparen wir durch den Umstieg auf die BWWP jährlich im Bereich von 362 kg CO2 (oder 65,16 € Umweltkosten).
Zwischenfazit
Lohnt sich das alles denn nun?
Finanziell hängt es natürlich primär von den Anschaffungs- und Installationskosten, der prognostizierten Nutzungsdauer der BWWP und dem Verhältnis von Strom- und Gasarbeitspreisen ab. In unserem Fall dauert die Amortisation mit jetziger Rechnung ziemlich lange, da unsere Opportunitätskosten aufgrund des niedrigen Arbeitspreises beim Gasvertrag noch so niedrig sind. Ich gehe aber ruhigen Gewissens davon aus, dass sich die BWWP innerhalb ihrer Lebenszeit finanziell von selbst tragen und sehr wahrscheinlich auch noch bares Geld einsparen wird. Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt aber schlicht nicht seriös berechnen.
Aber muss sich etwas so grundlegendes wie Warmwasser denn überhaupt wirtschaftlich rechnen und obendrein auch noch innerhalb kürzestmöglicher Zeit, damit man netto am Ende Geld spart? Im Grunde ist das doch ein Komfort auf den niemand ernsthaft verzichten möchte. Unsere Gasheizung ist schon ein wenig in die Jahre gekommen und die hohen Brennertemperaturen beim Nachheizen des Warmwassers haben regelmäßig zu Fehlern geführt. Zumindest eine Reparatur stand also eh im Raum, denn das war einfach nur noch nervig. Ich könnte anfangen diese Posten wieder mit einzubeziehen, aber das ist alles nur noch leidiges Erbsenzählen. Der Kern bleibt wahr: Zum Gas verbrennen bin ich zu arm. Die Gasheizung wird natürlich auch nicht mehr allzu lange bei uns leben dürfen. Das Projekt ist aber etwas größer und erfordert noch etwas Zeit. Bis dahin muss ich eben sehen, wie ich das Geld für die stetig steigende Gasrechnung auftreibe.
Ökologisch lohnt sich das ganze Unterfangen hingegen ohne jede Frage. Auch wenn man ganz stumpf Graustrom aus dem deutschen Netz bezieht und auf nichts weiter achtet, kann man von Beginn an Emissionen einsparen. Da ist es schlicht und ergreifend ein Wunder, wenn man das nicht super findet. Oder man schimpft sich halt technologieoffen und möchte lieber auf die nächste eierlegende Wollmilchsau warten. Alle anderen sollten tätig werden, wenn sie irgendwie können.
Wie geht’s jetzt weiter? Ich behalte das alles weiterhin im Blick. Vielleicht haben wir diesen Monat ja auch einfach nur unglaublich viel oder wenig warm geduscht? Vielleicht kann ich auch noch ein bisschen günstigere Preisfenster nutzen oder was zum effizienteren Eigenverbrauch beitragen? Wenn sich grundlegend an diesen Erkenntnissen hier etwas ändert, melde ich mich wieder. Bis dahin genieße ich unser nachhaltig erwärmtes Brauchwasser, den entfeuchteten Keller Das ist der wahrscheinlich beste Nebeneffekt der BWWP. Wir haben ein altes Haus mit etwas feuchtem Keller und die konstante Entfeuchtung beim Wärmeentzug der Umgebungsluft wirkt hier zusammen mit der Luftumwälzung durch den integrierten Ventilator absolute Wunder. und mein gutes Gewissen, dass ich zumindest beim Duschen nicht die fossil motivierten Kriegstreiber unserer Welt unterstütze.
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